Junge Pflege

Unsere Zielgruppe sind pflegebedürftige Menschen im Alter von 27 bis Renteneintrittsalter. Die berechtigte Frage nach dieser Festlegung begründet sich wie folgt: Jüngere Menschen bis zu einem Alter von 27 Jahren, werden in der Regel in der häuslichen Umgebung und von Eltern oder Familienangehörigen versorgt. Gründe für die Entscheidung eine Pflegeeinrichtung in Anspruch zu nehmen können sein:

Mit zunehmendem Alter kann die Pflege nicht mehr von Eltern gewährleistet werden oder wird von den Pflegebedürftigen abgelehnt.

Häufig fühlen sich auch andere Familienangehörige oder Partner mit der Situation besonders nach Klinikaufenthalt überfordert.

Denkbar ist auch, dass Angehörige sich abwenden oder dass es keine gibt. Freunde und Nachbarn wenden sich ab, das soziale Umfeld zerbricht.

Es wird eine Entscheidungs- und Orientierungsphase für erforderlich gehalten.

Auch pragmatische Gründe wie der behindertengerechte Umbau zu Hause und die Organisation der Pflege sind denkbar.

Mit Eintritt in den Ruhestand zählt man in der Regel dann zu den Senioren. Der Vorteil wäre, keinen weiteren Wechsel zu haben und im Haus bis zum Lebensende in vertrauter Umgebung mit vertrauten Menschen versorgt zu werden. Davon ausgehend, dass aktivierende Pflege und rehabilitative Maßnahmen in Form begleitender externer Therapien erfolgreich verlaufen, ist die Möglichkeit einer Anschluss Rehabilitationsmaßnahme gegeben und das Pflegeziel kann die Ausgliederung in eine selbständige oder weiterführende Wohnform sein.

Das Prinzip des Mehrgenerationenwohnens ist nicht neu aber derzeit wieder sehr aktuell. Es erlebt aus demographischen und wirtschaftlichen Zwängen heraus eine Renaissance in großem Ausmaß. Die Idee, dass alte und junge Menschen zusammen leben und voneinander profitieren ist eine erprobte positive Lebensform, die auch in der Situation der Pflegebedürftigkeit besonders gut geeignet ist.

Unsere Erfahrungen mit jüngeren pflegebedürftigen Menschen, die mit Senioren zusammen leben, sind durchweg positiv und haben uns ermutigt, dieses Konzept in weiteren Einrichtungen umzusetzen. Wir haben registriert, dass ein durchaus liebevoller, rücksichtsvoller gegenseitiger Umgang miteinander herrscht. Die Hilfsbereitschaft auf beiden Seiten ist vorhanden. Die Bewohner übernehmen Verantwortung und fühlen sich akzeptiert und gebraucht. Sie erhalten Trost und Zuspruch und haben auch häufig einfach nur Spaß miteinander. Interessen treffen sich und teilen sich in gleichem Maß. Die Gemeinsamkeit steckt im Hilfebedarf, in der Betreuungsbedürftigkeit und dem Bestreben nicht isoliert sondern in einer Gemeinschaft zu leben. Die gegenseitige Toleranz ist erstaunlich hoch.

Eine berechtigte Frage an dieser Stelle ist es zu wissen, warum dann überhaupt noch ein gesondertes Konzept für jüngere pflegebedürftige Menschen erforderlich ist?

Zum Erreichen der Pflegeziele benötigen die Menschen in unterschiedlichen Altersgruppen auch unterschiedliche Rahmenbedingungen. Da wir stets an Qualitätsverbesserungen arbeiten, haben wir Pflege, Betreuung und Umfeld den Bedürfnissen der jüngeren Menschen angepasst. Wir registrieren durchweg eine positive Resonanz und eine Verbesserung der Lebensqualität. Die langfristige Perspektive der Wiedereingliederung in ein selbständiges Wohnen kann durchaus ein individuelles Ziel sein.

Die soziale Betreuung in Form von Beschäftigung und Freizeitangeboten, Außenaktivitäten und dergleichen sowie die Gestaltung einer Tagesstruktur unterscheidet sich deutlich von dem Seniorenangebot. Der Soziale Dienst für jüngere pflegebedürftige Bewohner wird durch Heilerziehungspfleger, Sozialarbeiter oder Ergotherapeut abgedeckt. Auf ein vorgegebenes Angebot wird zugunsten der betroffenen Bewohner verzichtet. Die Mitgestaltungsmöglichkeit erachten wir als wichtigen ersten Schritt einer aktivierenden Pflege und Betreuung.

Durch die zentrale Lage unserer Einrichtungen wird die Organisation und Durchführung Außenaktivitäten erleichtert. Beispiele für Aktivitäten für jüngere Pflegebedürftige können sein: Kinobesuche, Kochevents, Kreative Angebote, Besuch von Musikveranstaltungen, Einkaufen, Teilnahme an Sportveranstaltungen, Wahrnehmung von Angeboten der VHS im Ort usw.  Angestrebt ist die Einbindung in das Gemeinwesen, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, daher bewerten wir Außenaktivitäten gleichwertig wie interne Angebote. Die Anbindung an ortsansässige Vereine wird mit den Bewohnern diskutiert. Nach dem integrativen Prinzip ist die Teilnahme an gemeinsam geplanten Veranstaltungen erwünscht. Besonders die jahreszeitlichen Feste fördern das Zusammenleben. Ein behindertengerechter Bus, der Rollstuhlfahrer befördern kann, steht zur Verfügung.